Was ist Lead Nurturing?
Lead Nurturing heißt, Interessenten bis zur Kaufentscheidung mit passenden Inhalten zu begleiten. Ablauf, Beispiele und rechtliche Regeln.
Oleksandr Grygoriev · Aktualisiert:
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Inhaltsverzeichnis
Lead Nurturing bezeichnet die planmäßige Begleitung von Interessenten, die noch nicht kaufbereit sind. Über Wochen oder Monate erhalten sie Inhalte, die zu ihrer Situation passen, meist per E-Mail, bis ein konkreter Bedarf entsteht. Ziel ist, dass sich der Kontakt dann an Ihr Unternehmen erinnert und nicht beim Wettbewerber anfragt.
Warum sich Geduld mit Kontakten lohnt
Das englische „to nurture“ heißt pflegen oder aufziehen. Der Begriff trifft den Kern: Ein Kontakt, der sich für eine Checkliste eingetragen hat, ist noch kein Kunde. Vielleicht plant er ein Projekt erst im nächsten Geschäftsjahr, vielleicht muss die Geschäftsführung zustimmen, vielleicht vergleicht er gerade drei Anbieter.
Ohne Nurturing passiert in solchen Fällen meist eins von zwei Dingen. Entweder hört der Kontakt nie wieder etwas, oder der Vertrieb ruft zu früh an und wirkt aufdringlich. Lead Nurturing liegt dazwischen: regelmäßig präsent sein, ohne zu drängen.
So funktioniert Lead Nurturing
- Einstieg: Der Kontakt entsteht, etwa über einen Lead Magnet, ein Webinar oder eine Messe, und willigt in weitere Informationen ein.
- Einordnung: Das System merkt sich, woher der Kontakt kommt und wofür er sich interessiert hat, zum Beispiel für Wartungsverträge statt Neuanlagen.
- Strecke: Eine Reihe von E-Mails im Abstand von einigen Tagen oder Wochen. Jede hat genau ein Thema: ein Praxisbeispiel, eine häufige Frage, einen Fehler, den Kunden oft machen.
- Signale: Klicks, Besuche auf der Preisseite oder Antworten zeigen, dass das Interesse steigt. Wie man solche Signale gewichtet, beschreibt Lead Scoring.
- Übergabe: Ab einem bestimmten Punkt geht der Kontakt an den Vertrieb, mit allen Informationen, die bis dahin gesammelt wurden.
Technisch laufen solche Strecken meist über Marketing Automation, die E-Mails zeitgesteuert oder abhängig vom Verhalten verschickt und die Daten an das CRM übergibt.
Beispiele aus dem Mittelstand
- Hersteller von Hallensystemen: Interessenten, die ein Planungshandbuch geladen haben, erhalten über zwei Monate sechs E-Mails: Genehmigung, Fundament, Dämmung, Zeitplan, ein Referenzprojekt, Einladung zur Besichtigung. Der Vertrieb meldet sich erst, wenn jemand die Einladung annimmt.
- IT-Dienstleister: Nach einem Erstgespräch ohne Auftrag bleibt der Kontakt nicht liegen. Einmal im Monat kommt eine kurze Nachricht mit einem Praxisbeispiel aus seiner Branche.
- Weiterbildungsanbieter: Wer sich für einen Kurs interessiert, aber nicht bucht, bekommt vor dem nächsten Starttermin eine Erinnerung mit Stimmen früherer Teilnehmer.
Lead Nurturing, Newsletter und Kaltakquise
| Lead Nurturing | Newsletter | Kaltakquise | |
|---|---|---|---|
| Empfänger | Kontakte mit erkennbarem Interesse | Alle Abonnenten | Personen ohne vorherigen Kontakt |
| Inhalt | Abgestimmt auf Interesse und Phase | Für alle gleich | Vorstellung des Angebots |
| Rhythmus | Folgt einem Plan oder dem Verhalten | Fester Termin | Einmalig oder wenige Versuche |
| Ziel | Kaufbereitschaft entwickeln | Bindung, Information | Ersten Kontakt herstellen |
Die Grenzen sind fließend. Ein Newsletter kann Teil des Nurturings sein, wenn Sie Abonnenten nach Interessen trennen und ihnen unterschiedliche Inhalte schicken. Und ein Kontakt aus der Kaltakquise, der Interesse zeigt und in weitere Informationen einwilligt, wird damit zum Kandidaten für eine Nurturing-Strecke.
Welche Inhalte in welcher Phase passen
Am Anfang interessiert sich ein Kontakt für sein Problem, nicht für Ihr Unternehmen. Hier helfen Erklärungen, typische Fehler und Fragen, die er sich noch nicht gestellt hat. In der mittleren Phase werden Vergleiche, Referenzprojekte und Erfahrungen anderer Kunden wichtig. Kurz vor der Entscheidung zählen Konkretes: Preisrahmen, Ablauf eines Projekts, Ansprechpartner und ein einfacher Weg zum Termin. Eine gute Strecke folgt dieser Reihenfolge, statt gleich mit dem Angebot zu beginnen.
Fallstricke und rechtliche Grenzen
- Einwilligung zuerst: Werbe-E-Mails brauchen nach § 7 UWG grundsätzlich eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, auch im B2B. Üblich und empfehlenswert ist das Double-Opt-in. Eine enge Ausnahme nach § 7 Abs. 3 UWG gilt für Bestandskunden: Sie haben die Adresse beim Verkauf einer Ware oder Dienstleistung erhalten, werben nur für eigene ähnliche Angebote, haben auf das Widerspruchsrecht hingewiesen, und der Kunde hat nicht widersprochen.
- Abmeldung ernst nehmen: Jede E-Mail braucht einen einfachen Abmeldelink. Wer sich abmeldet, bekommt nichts mehr, auch nicht „nur noch diese eine“ Nachricht.
- Zu viel, zu schnell: Tägliche E-Mails nach einem Download wirken wie Werbung, nicht wie Hilfe.
- Nur Werbung: Wenn jede Nachricht auf „Jetzt Angebot anfordern“ endet, fehlt der Grund, sie zu öffnen. Nützliche Inhalte tragen die Strecke.
- Keine Übergabe: Die schönste Strecke nützt nichts, wenn niemand reagiert, sobald ein Kontakt „Ja, rufen Sie mich an“ antwortet.
In der Praxis: Nachfassen mit Einwilligung
Im B2B-Kampagnenmanagement planen wir Nurturing-Strecken als Teil der ganzen Kampagne: Welche Kontakte kommen woher, welche Fragen haben sie, und ab wann ist ein Anruf willkommen? E-Mail-Strecken gehen nur an Kontakte, die zugestimmt haben. Jede Übergabe an den Vertrieb wird erfasst, damit Sie sehen, welche Strecke zu Gesprächen führt.
Die Inhalte der Strecken, also Praxisbeispiele, Antworten auf häufige Fragen und kurze Leitfäden, erstellen wir im Bereich Inhalte und Übersetzung, auf Wunsch in mehreren Sprachen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert Lead Nurturing?
So lange, wie Ihre Kunden für die Entscheidung brauchen. Bei kleineren Aufträgen reichen einige Wochen, bei Investitionsgütern oder Software können es viele Monate sein. Eine Strecke sollte ein klares Ende haben und danach in einen ruhigeren Rhythmus übergehen.
Wie viele E-Mails gehören in eine Nurturing-Strecke?
Es gibt keine feste Zahl. Viele Strecken beginnen mit vier bis acht Nachrichten. Wichtiger als die Anzahl ist, dass jede E-Mail einen eigenen Nutzen hat und dass Sie sehen, an welcher Stelle Empfänger aussteigen.
Geht Lead Nurturing auch ohne E-Mail?
Ja. Auch Anrufe in vereinbarten Abständen, Einladungen zu Veranstaltungen, gedruckte Post oder gezielte Anzeigen für frühere Websitebesucher können Kontakte begleiten. E-Mail ist nur der am einfachsten planbare Kanal.
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