Was ist Vibe Coding?
Vibe Coding heißt: Software per Anweisung an eine KI entstehen lassen, ohne den Code zu lesen. Wo das hilft, wo es gefährlich wird.
Oleksandr Grygoriev · Aktualisiert:
- Anforderungen
- Prototyp
- EntwicklungVibe Coding
- Auslieferung
- Betrieb
Inhaltsverzeichnis
Vibe Coding ist eine Art, Software zu erstellen, bei der man einer KI in Alltagssprache beschreibt, was ein Programm tun soll, und den erzeugten Code übernimmt, ohne ihn selbst zu lesen oder zu verstehen. Gesteuert wird nur über das Ergebnis: Funktioniert es, geht es weiter; wenn nicht, bekommt die KI die Fehlermeldung und einen neuen Auftrag.
Der Begriff hat sich schnell verbreitet, weil er etwas beschreibt, das viele gerade ausprobieren: In einer Stunde entsteht aus einem Chatfenster ein kleines Werkzeug, für das früher ein Entwickler Tage gebraucht hätte. Genau diese Leichtigkeit ist Chance und Risiko zugleich.
Woher der Begriff kommt
Geprägt hat den Ausdruck der KI-Forscher Andrej Karpathy Anfang 2025. Er beschrieb damit ein Arbeiten, bei dem man sich „ganz den Vibes hingibt“ und vergisst, dass es überhaupt Code gibt. Gemeint war ausdrücklich das Basteln an Wochenendprojekten, nicht die Entwicklung von Software für den Betrieb.
Möglich wurde das durch leistungsfähige Sprachmodelle, die ganze Anwendungen samt Oberfläche, Datenbank und Logik schreiben, sowie durch Werkzeuge, die den Code direkt ausführen und Fehler selbst an das Modell zurückspielen.
So läuft Vibe Coding ab
- Beschreiben. „Baue mir ein Tool, in das ich Aufmaße eintrage und das mir die Fliesenmenge mit zehn Prozent Verschnitt ausrechnet.“
- Generieren lassen. Die KI schreibt den Code und startet die Anwendung.
- Ausprobieren. Man klickt sich durch und prüft nur, ob das Ergebnis stimmt.
- Nachbessern per Anweisung. „Der Knopf soll grün sein“, „Es rechnet bei Dezimalkommas falsch“ – die KI ändert den Code, der Mensch schaut ihn nicht an.
Diese Schleife wiederholt sich, bis das Ergebnis passt. Programmierkenntnisse sind dafür nicht nötig – das ist der Kern des Reizes. Was dabei unsichtbar bleibt: wie die Daten gespeichert werden, wer auf die Anwendung zugreifen kann und was passiert, wenn jemand etwas Unerwartetes eingibt. Diese Fragen stellt beim Vibe Coding niemand, weil niemand in den Code schaut.
Wo Vibe Coding im Unternehmen hilft
- Klickbare Entwürfe. Die Vertriebsleiterin zeigt der IT nicht mehr eine Skizze, sondern eine anklickbare Oberfläche, wie das künftige Angebotstool aussehen soll. Das ersetzt keine User Story, macht sie aber greifbar.
- Einmalige Auswertungen. Ein Skript, das einmal eine Exportdatei bereinigt und danach nicht mehr gebraucht wird.
- Persönliche Helfer. Ein kleiner Rechner für den eigenen Schreibtisch, der keine Kundendaten verarbeitet und nicht an andere Systeme angebunden ist.
- Ideen testen. Ob eine Bedienidee funktioniert, lässt sich in einer Stunde prüfen statt in einem Projekt. Für belastbare technische Fragen braucht es trotzdem einen richtigen Proof of Concept.
Vibe Coding, Low-Code und KI-gestützte Entwicklung
| Ansatz | Wer versteht den Code? | Geeignet für |
|---|---|---|
| Vibe Coding | niemand | Entwürfe, Einmal-Werkzeuge, private Helfer |
| Low-Code | der Hersteller der Plattform, der den Unterbau pflegt | Formulare, einfache Abläufe innerhalb eines Anbieters |
| KI-gestützte Entwicklung | der Entwickler, der jeden Vorschlag prüft | Software für den Dauerbetrieb |
Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern in der Verantwortung. Profis nutzen dieselben KI-Modelle, lesen aber jede Änderung, schreiben Tests und entscheiden über die Architektur. Das ist schneller als klassische Entwicklung und trotzdem kein Vibe Coding.
Risiken und Grenzen
- Sicherheitslücken. KI-Code enthält immer wieder offene Zugänge, fest eingetragene Passwörter oder ungeprüfte Eingaben. Wer den Code nicht liest, sieht sie nicht.
- Datenschutz. Sobald Kunden- oder Mitarbeiterdaten verarbeitet werden, gelten die Pflichten der DSGVO. Ein Tool, dessen Datenflüsse niemand kennt, lässt sich nicht verantworten.
- Keine Wartbarkeit. Nach einigen Dutzend Änderungsrunden entsteht Code, den auch die KI nicht mehr zuverlässig umbauen kann. Jede Korrektur bricht etwas anderes.
- Schatten-IT. Tools, die einzelne Mitarbeitende nebenbei bauen, landen still im Tagesgeschäft. Fällt die Person aus, weiß niemand, wie sie funktionieren.
- Falsche Sicherheit. Dass eine Anwendung im Test funktioniert, heißt nicht, dass sie Sonderfälle, viele Nutzer oder fehlerhafte Eingaben verkraftet.
In der Praxis: vom Entwurf zur verantworteten Software
Ein per Vibe Coding gebauter Entwurf ist ein guter Startpunkt für ein Gespräch. Wenn daraus ein Werkzeug für Ihr Team werden soll, entwickeln wir es als Individualsoftware neu: KI-gestützt, aber mit geprüftem Code, Tests, Zugriffsrechten und Betrieb auf Servern in Deutschland. Haben Sie bereits ein selbst gebautes Tool im Einsatz, prüfen wir es und machen es betriebssicher; bei gewachsenen Altlösungen hilft unsere IT-Modernisierung. Wo die Grenze im Unternehmensalltag verläuft, beschreibt ausführlich der Beitrag Vibe Coding im Unternehmen.
Häufige Fragen
Kann man mit Vibe Coding eine komplette Unternehmenssoftware bauen?
Einen Entwurf ja, eine betriebssichere Software in der Regel nicht. Sobald Kundendaten, Schnittstellen oder mehrere Nutzer ins Spiel kommen, braucht es jemanden, der den Code versteht und verantwortet.
Ist Vibe Coding dasselbe wie Programmieren mit KI?
Nein. Beim Programmieren mit KI liest und prüft ein Entwickler die Vorschläge. Beim Vibe Coding wird der Code bewusst nicht angesehen.
Welche Werkzeuge nutzt man für Vibe Coding?
Chat-Oberflächen großer Sprachmodelle, KI-Code-Editoren und Plattformen, die aus einer Beschreibung direkt eine lauffähige Web-Anwendung erzeugen. Das Werkzeug ist dabei zweitrangig: Entscheidend ist, ob jemand den entstandenen Code prüft.
Sollten wir Vibe Coding im Unternehmen verbieten?
Ein pauschales Verbot hilft selten. Besser sind klare Regeln: erlaubt für Entwürfe und persönliche Helfer ohne Firmendaten, nicht für Werkzeuge, die im Tagesgeschäft oder mit Kundendaten laufen.
Brauchen Sie Unterstützung?
Unsere Experten helfen Ihnen, die richtigen SEO- und Digitalstrategien für Ihr Unternehmen umzusetzen.
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