Was ist Kanban?
Kanban macht Arbeit auf einem Board sichtbar und begrenzt, wie viel gleichzeitig läuft. Prinzipien, Beispiele und Unterschiede zu Scrum.
Oleksandr Grygoriev · Aktualisiert:
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Inhaltsverzeichnis
Kanban ist eine Methode, Arbeit sichtbar zu machen und ihren Fluss zu steuern. Aufgaben wandern als Karten über ein Board mit Spalten wie „Offen“, „In Arbeit“ und „Erledigt“. Entscheidend ist eine Obergrenze pro Spalte: Neue Arbeit wird erst begonnen, wenn Kapazität frei ist. So staut sich weniger, und Aufgaben werden schneller fertig.
Das Wort stammt aus dem Japanischen und heißt so viel wie „Karte“ oder „Signal“. Ursprünglich kommt die Idee aus der Fertigung, heute steuern damit Entwicklungsteams, Buchhaltungen und Serviceabteilungen ihren Alltag.
Herkunft: von der Fabrikhalle ins Büro
Kanban entstand bei Toyota als Teil des Produktionssystems. Eine Karte signalisierte, dass ein Lager nachgefüllt werden muss. Produziert wurde nur, was tatsächlich verbraucht war – das sogenannte Pull-Prinzip. Viele deutsche Fertigungsbetriebe nutzen dieses Kanban-System bis heute in der Materialversorgung.
In die Softwareentwicklung und Wissensarbeit übertragen wurde der Gedanke vor allem durch David J. Anderson in den 2000er-Jahren. Dort geht es nicht um Material, sondern um Aufgaben: Wie viel Arbeit ist gleichzeitig offen, wo bleibt sie liegen, und wie lange dauert es von der Anfrage bis zum Ergebnis?
Die Kernpraktiken von Kanban
- Arbeit sichtbar machen. Jede Aufgabe ist eine Karte, jeder Arbeitsschritt eine Spalte. Wer auf das Board schaut, sieht sofort, was wo steht.
- Parallele Arbeit begrenzen. Das WIP-Limit (Work in Progress) legt fest, wie viele Karten höchstens gleichzeitig in einer Spalte liegen dürfen. Ist die Grenze erreicht, hilft das Team erst dabei, etwas fertigzustellen.
- Fluss steuern. Das Team beobachtet, wo Karten hängen bleiben. Eine volle Spalte „Wartet auf Freigabe“ zeigt einen Engpass, der mit mehr Tempo davor nicht besser wird.
- Regeln ausdrücklich machen. Wann gilt eine Karte als fertig? Wer darf Prioritäten ändern? Solche Regeln stehen am Board, nicht in Köpfen.
- Kennzahlen nutzen. Durchlaufzeit (Lead Time) und Bearbeitungszeit (Cycle Time) zeigen, ob Änderungen am Ablauf wirklich helfen.
- Schrittweise verbessern. Kanban beginnt mit dem Ablauf, den es heute gibt, und verändert ihn in kleinen Schritten.
Beispiele aus dem Mittelstand
- Angebotserstellung im Maschinenbau. Spalten von „Anfrage eingegangen“ über „Technische Klärung“ bis „Angebot versandt“. Ein WIP-Limit von drei Karten in der technischen Klärung zeigt schnell, dass die Konstruktion der Engpass ist – nicht der Vertrieb.
- IT-Betreuung eines Steuerbüros. Tickets für Druckerprobleme, neue Zugänge und Updates laufen über ein gemeinsames Board. Dringende Störungen bekommen eine eigene Bahn, damit sie nicht in der Warteschlange landen.
- Weiterentwicklung einer Software. Nach dem Start einer Anwendung kommen Wünsche unregelmäßig. Statt fester Sprints zieht das Team die nächste Karte, sobald eine fertig ist.
Kanban und Scrum im Vergleich
Beide Methoden gehören zur agilen Softwareentwicklung, setzen aber an unterschiedlichen Stellen an:
| Merkmal | Kanban | Scrum |
|---|---|---|
| Takt | kontinuierlicher Fluss | feste Sprints von höchstens einem Monat, oft zwei Wochen |
| Rollen | keine vorgeschrieben | Product Owner, Scrum Master, Developers |
| Steuerung | WIP-Limits pro Spalte | Umfang pro Sprint |
| Änderungen | jederzeit, sobald Platz frei ist | in der Regel zum nächsten Sprint |
Kanban passt gut zu Arbeit, die unregelmäßig hereinkommt: Support, Wartung, Sachbearbeitung. Scrum eignet sich, wenn ein Team gemeinsam auf ein größeres Produktziel hinarbeitet. Viele Teams mischen beides und sprechen dann von „Scrumban“.
Ein Kanban-Board ist übrigens kein Workflow im technischen Sinn: Es zeigt den Stand der Arbeit, führt aber selbst nichts aus. Wer Schritte automatisch anstoßen will, braucht zusätzlich eine Automatisierung.
Stolpersteine
- Board ohne Limits. Ohne WIP-Limit ist ein Kanban-Board nur eine hübsche Aufgabenliste. Der eigentliche Effekt – weniger Stau, kürzere Durchlaufzeit – kommt erst durch die Begrenzung.
- Zu viele Spalten. Ein Board mit zwölf Spalten bildet jeden Handgriff ab und wird deshalb nicht mehr gepflegt. Besser: die Schritte, an denen Arbeit tatsächlich die Hände wechselt.
- Keine Prioritäten. Wenn alles gleich dringend ist, zieht jeder die angenehmste Karte. Eine klare Reihenfolge oder Serviceklassen für Dringendes helfen.
- Vergessene Karten. Karten, die wochenlang in „Wartet“ liegen, verzerren das Bild. Regelmäßiges Aufräumen gehört dazu.
In der Praxis: Aufgaben, die nicht versanden
Ein Board zeigt, was offen ist. Offen bleibt die Frage, woher die Aufgaben kommen und ob sie vollständig sind. Genau hier setzt unsere Prozessmanagement-Software in PultOS an: Abläufe werden als Schema in Alltagssprache beschrieben, und aus Zusagen in Besprechungen werden Aufgaben mit Zuständigem und Frist. Wenn Sie Übergaben zwischen Abteilungen danach automatisch anstoßen möchten, begleiten wir das mit Prozessautomatisierung. Den Rahmen dafür beschreibt der Artikel über Geschäftsprozessmanagement.
Häufige Fragen
Was ist ein Kanban-Board?
Eine Tafel oder digitale Ansicht mit Spalten für die Arbeitsschritte und Karten für die einzelnen Aufgaben. Die Karten wandern von links nach rechts, bis sie erledigt sind.
Wie hoch sollte das WIP-Limit sein?
Eine feste Regel gibt es nicht. Ein praktikabler Start ist ungefähr die Zahl der Personen, die an einem Schritt arbeiten. Danach wird das Limit anhand der Erfahrungen angepasst.
Eignet sich Kanban auch außerhalb der IT?
Ja. Kanban kommt aus der Produktion und funktioniert überall, wo Aufgaben mehrere Stationen durchlaufen – im Einkauf, in der Buchhaltung oder im Kundenservice.
Braucht man dafür eine spezielle Software?
Für den Anfang reicht ein Whiteboard mit Haftnotizen. Sobald mehrere Standorte oder viele Aufgaben dazukommen, ist ein digitales Board praktischer.
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