Was ist Outsourcing?
Outsourcing heißt, Aufgaben an externe Dienstleister zu vergeben. Bedeutung, Arten, Beispiele aus dem Mittelstand sowie Vorteile und Nachteile.
Oleksandr Grygoriev · Aktualisiert:
- Anforderungen
- Prototyp
- Entwicklung
- Auslieferung
- Betrieb
Inhaltsverzeichnis
Outsourcing heißt, Aufgaben oder ganze Prozesse nicht selbst zu erledigen, sondern an einen externen Dienstleister zu vergeben. Das Wort kommt aus dem Englischen – outside resource using – und hat sich als Verb eingedeutscht: Ein Unternehmen outsourct die Lohnbuchhaltung, den IT-Betrieb oder den Versand.
Der Kern ist nicht die Ersparnis, sondern die Entscheidung über die eigene Aufstellung: Welche Arbeit macht ein Unternehmen unterscheidbar, und welche muss nur verlässlich laufen? Die erste Gruppe bleibt im Haus, die zweite ist Kandidat für eine Vergabe nach außen.
Outsourcing: Bedeutung und Abgrenzung
Ein Unternehmen gibt eine wiederkehrende Aufgabe ab und kauft stattdessen eine Leistung ein. Damit verändern sich drei Dinge: aus Fixkosten im Haus wird ein bezahlter Leistungsumfang, die Verantwortung für die Ausführung wandert zum Dienstleister, und die Steuerung läuft künftig über Verträge und Kennzahlen statt über Zuruf im Flur.
Zwei Begriffe grenzen das Bild ein:
- Insourcing ist die Gegenrichtung: eine bisher eingekaufte Leistung wieder selbst erbringen. Holt ein Unternehmen eine ausgelagerte Aufgabe zurück, spricht man auch von Backsourcing.
- Make or Buy ist die Entscheidung davor: selbst machen oder einkaufen. Outsourcing ist das „Buy“ für eine Aufgabe, die bisher selbst erledigt wurde.
Arten von Outsourcing
Die gängigen Einteilungen beschreiben nicht verschiedene Produkte, sondern verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Entscheidung.
| Einteilung nach | Varianten | Was sich dadurch ändert |
|---|---|---|
| Gegenstand | IT-Outsourcing, Business Process Outsourcing (BPO), Knowledge Process Outsourcing | wie stark Fachwissen des Unternehmens im Prozess steckt |
| Umfang | selektiv (einzelne Aufgabe) oder komplett (ganzer Bereich) | Abhängigkeit und Aufwand für die Rückholung |
| Standort des Dienstleisters | eigenes Land, nahes Ausland, anderer Kontinent | Zeitzone, Sprache, anwendbares Recht, Reisewege |
| Anzahl der Partner | ein Dienstleister oder mehrere (Multisourcing) | Verhandlungsposition gegen Abstimmungsaufwand |
| Eigentum | fremder Anbieter oder eigene Tochtergesellschaft | Steuerbarkeit und Kostenstruktur |
Die Einteilung nach Standort hat eigene Fachbegriffe und eigene Vertragsfragen; sie stehen im Beitrag Vergabe ins nahe Ausland.
Outsourcing-Beispiele aus der Praxis
- Lohn- und Finanzbuchhaltung an eine Steuerkanzlei. Das klassische Beispiel im Mittelstand: Belege gehen digital raus, zurück kommen Buchungen und Auswertungen.
- IT-Betrieb und Anwenderunterstützung. Server, Updates, Sicherungen und die erste Hilfe bei Störungen übernimmt ein Dienstleister mit vereinbarten Reaktionszeiten.
- Softwareentwicklung. Ein Modul, eine Schnittstelle oder die Pflege einer Fachanwendung wird außerhalb des eigenen Teams erledigt.
- Kundenservice am Telefon. Ein Callcenter nimmt Anrufe in Spitzenzeiten an und gibt nur Fälle weiter, die Fachwissen brauchen.
- Lager und Versand. Ein Logistiker lagert, verpackt und versendet; der Händler kümmert sich um Einkauf und Sortiment.
- Gebäudereinigung, Kantine, Fuhrpark. Leistungen ohne Bezug zum Kerngeschäft, meist zuerst vergeben.
Vorteile und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Zugang zu Spezialwissen, das sich im Haus nicht lohnt | Abhängigkeit von einem Anbieter |
| Feste Kosten pro Leistung statt schwankender eigener Aufwände | Steuerung und Abstimmung kosten eigene Zeit |
| Kapazität wächst und schrumpft mit dem Bedarf | Wissen über den Ablauf verlässt das Unternehmen |
| Eigenes Team arbeitet am Kerngeschäft | Datenschutz und Zugriffe brauchen Regeln und Nachweise |
| Verantwortung für die Ausführung liegt beim Dienstleister | Rückholung ist teurer als die Vergabe |
Die häufigste Enttäuschung entsteht dort, wo nur der Stundensatz verglichen wurde. Entscheidend ist der Gesamtaufwand: Übergabe, Abstimmung, Nacharbeit und die Zeit der eigenen Führungskräfte zählen mit.
Wann sich eine Auslagerung lohnt
Vier Fragen trennen Kandidaten von Fehlgriffen:
- Ist der Ablauf beschreibbar? Was niemand aufschreiben kann, kann auch niemand außerhalb des Hauses übernehmen. Eine Prozessanalyse ist deshalb der erste Schritt, nicht die Ausschreibung.
- Gibt es einen Maßstab? Menge, Durchlaufzeit, Fehlerquote: ohne Zahlen lässt sich die Leistung später nicht beurteilen.
- Bleibt die Entscheidungshoheit im Haus? Fachliche Entscheidungen gehören zum Unternehmen, auch wenn die Ausführung draußen liegt.
- Ist der Rückweg geklärt? Dokumentation, Datenexport und Übergabefristen gehören in den Vertrag, bevor er unterschrieben wird.
Nicht ausgelagert wird, was den Unterschied zum Wettbewerb ausmacht, und was ohne das Wissen einzelner Beschäftigter gar nicht funktioniert.
Vertrag, Datenschutz, Betriebsrat
- Vertragsform. Ein beschreibbares Ergebnis wird als Werkvertrag vergeben, eine laufende Leistung als Dienstvertrag. Welche Form passt, klärt die Seite Werkvertrag oder Dienstvertrag.
- Leistungsniveau. Verfügbarkeiten, Reaktions- und Lösungszeiten gehören in ein Service Level Agreement mit Folgen bei Verstoß.
- Datenschutz. Verarbeitet der Dienstleister personenbezogene Daten, braucht es einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Liegt der Standort außerhalb von EU und EWR, kommen zusätzliche Garantien hinzu.
- Mitbestimmung. Verlagert eine Auslagerung Arbeitsplätze oder Abläufe, hat der Betriebsrat Beteiligungsrechte. Das wird am besten vor der Anbieterauswahl geklärt.
- Ausstieg. Kündigungsfristen, Herausgabe von Daten und Systemen und eine Übergangsphase mit Unterstützung des alten Dienstleisters.
In der Praxis: woran eine saubere Vergabe zu erkennen ist
Auslagerungen, die im Mittelstand halten, folgen einem erkennbaren Muster:
- Ein Prozess zuerst. Der Einstieg ist eine Aufgabe mit klarer Grenze, nicht der ganze Bereich.
- Zahlen vor dem Start. Der heutige Aufwand ist gemessen, sonst bleibt jede Ersparnis Behauptung.
- Eine zuständige Person auf jeder Seite. Auf Dienstleisterseite eine Projektleitung, im Haus eine Person, die fachlich entscheidet.
- Dokumentation als Teil der Leistung. Wie der Ablauf läuft, steht schriftlich und gehört dem Auftraggeber.
- Regelmäßiger Bericht. Monatlich dieselben Kennzahlen, damit Abweichungen auffallen, bevor sie teuer werden.
Wie eine Auslagerung von Entwicklung und Betrieb an einen Dienstleister in Deutschland vertraglich aufgesetzt wird, beschreibt die Seite IT-Aufgaben in Deutschland vergeben.
Häufige Fragen
Was bedeutet Outsourcing auf Deutsch?
Auslagerung oder Fremdvergabe: eine Aufgabe wird nicht mehr selbst erledigt, sondern bei einem externen Dienstleister eingekauft.
Welche Gründe sprechen für eine Auslagerung?
Fehlendes Spezialwissen, schwankende Mengen, planbare Kosten pro Leistung und die Möglichkeit, das eigene Team auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Was sind die größten Risiken?
Abhängigkeit von einem Anbieter, Verlust des Wissens über den Ablauf und ein unterschätzter Aufwand für Steuerung und Abstimmung.
Ist Outsourcing dasselbe wie der Einkauf von Arbeitszeit?
Nein. Beim Outsourcing wird eine Leistung eingekauft, und der Dienstleister führt seine Leute selbst. Modelle, bei denen Personal in einen fremden Betrieb abgegeben und dort eingeplant wird, sind in Deutschland genehmigungspflichtig und folgen anderen Regeln.
Welche Prozesse werden am häufigsten ausgelagert?
Buchhaltung und Lohnabrechnung, IT-Betrieb und Anwenderunterstützung, Kundenservice, Logistik sowie Gebäudedienste.
Lässt sich eine Auslagerung zurückholen?
Ja, das ist aber aufwendiger als die Vergabe. Wer Dokumentation, Datenexport und eine Übergangsphase schon im ersten Vertrag regelt, hält sich diesen Weg offen.
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