Was ist ein Dokumentenmanagementsystem (DMS)?
Was ist ein DMS? Funktionen eines Dokumentenmanagementsystems, Anforderungen der GoBD, Praxisbeispiele und wann ein DMS allein nicht reicht.
Oleksandr Grygoriev · Aktualisiert:
Inhaltsverzeichnis
Ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) ist eine Software, die Dokumente eines Unternehmens zentral speichert, ordnet, versioniert und auffindbar macht. Statt in Ordnern, Postfächern und Netzlaufwerken liegt jede Rechnung, jeder Vertrag und jedes Protokoll an genau einer Stelle, mit geregelten Zugriffsrechten.
Für viele Mittelständler beginnt die Suche nach einem DMS mit einer ganz praktischen Frage: Wo ist die unterschriebene Version des Vertrags? Oder mit der Betriebsprüfung, bei der Belege gesucht werden, die irgendwo zwischen Papierordner und E-Mail-Anhang liegen.
Was ein DMS leistet
Was ein DMS im Kern leistet, lässt sich an fünf Grundfunktionen zeigen:
- Erfassen: Dokumente kommen per Scan, E-Mail, Upload oder direkt aus anderen Programmen ins System. Papier wird dabei mit OCR in durchsuchbaren Text umgewandelt.
- Ablegen und verschlagworten: Jedes Dokument bekommt Merkmale wie Dokumentart, Kunde, Lieferant, Datum oder Projekt. Gesucht wird danach, nicht nach Ordnerpfaden.
- Versionieren: Ändert jemand einen Vertrag, bleibt der alte Stand erhalten. Es ist jederzeit nachvollziehbar, wer was wann geändert hat.
- Berechtigen: Personalakten sieht nur die Personalabteilung, Verträge nur die Geschäftsführung. Rechte werden nach Rollen vergeben.
- Archivieren: Dokumente mit Aufbewahrungspflicht werden unveränderbar gespeichert und nach Ablauf der Frist gezielt gelöscht.
Viele Systeme bieten zusätzlich einfache Freigabeabläufe, etwa für Eingangsrechnungen, die von der Fachabteilung bestätigt werden müssen.
DMS und GoBD
Für Unternehmen in Deutschland ist die Archivfunktion oft der eigentliche Grund für ein DMS. Die GoBD verlangen, dass steuerlich relevante Unterlagen vollständig, unveränderbar, nachvollziehbar und jederzeit lesbar aufbewahrt werden. Die Fristen richten sich nach der Dokumentart: sechs Jahre für Geschäftsbriefe, acht Jahre für Buchungsbelege wie Rechnungen, zehn Jahre für Bücher und Jahresabschlüsse. Elektronisch eingegangene Dokumente, etwa eine E-Rechnung im Format XRechnung, müssen im Original elektronisch aufbewahrt werden. Ein Ausdruck reicht nicht.
Ein DMS erfüllt die GoBD nicht automatisch. Ein offizielles GoBD-Zertifikat für Software gibt es nicht, Anbieter können sich lediglich die Eignung von Wirtschaftsprüfern bestätigen lassen. Entscheidend ist, wie das System eingerichtet und genutzt wird. Dazu gehört eine Verfahrensdokumentation, die beschreibt, wie Belege eingehen, verarbeitet, abgelegt und geschützt werden. Fragen Sie im Zweifel Ihre Steuerberatung, welche Anforderungen in Ihrem Betrieb konkret gelten.
Beispiele aus dem Mittelstand
- Eingangsrechnungen: Rechnungen kommen per E-Mail, werden automatisch im DMS abgelegt, dem Lieferanten zugeordnet und zur Freigabe weitergeleitet. Die Buchhaltung findet sie später über Rechnungsnummer oder Betrag.
- Verträge: Alle Verträge liegen an einer Stelle, mit Kündigungsfristen als Wiedervorlage. So verlängert sich kein Vertrag mehr ungewollt, nur weil niemand an die Frist gedacht hat.
- Projektakten im Handwerk: Aufmaß, Angebot, Fotos, Abnahmeprotokoll und Rechnung hängen am Auftrag und sind auch vom Tablet auf der Baustelle abrufbar.
- Personalunterlagen: Arbeitsverträge und Bescheinigungen liegen geschützt, und nur berechtigte Personen haben Zugriff.
Oft ist das DMS mit der ERP-Software verbunden: Das ERP kennt den Auftrag, das DMS liefert die zugehörigen Dokumente.
Nutzen und Risiken
Der Nutzen eines DMS zeigt sich vor allem in gesparter Suchzeit und in Sicherheit bei Prüfungen. Dazu kommen ortsunabhängiges Arbeiten, weniger Papier und klare Zuständigkeiten.
Die typischen Stolpersteine:
- Schlechte Ablagestruktur: Wer die alte Ordnerstruktur eins zu eins ins DMS überträgt, hat danach nur ein teureres Netzlaufwerk.
- Halbe Einführung: Wenn ein Teil des Teams weiter in E-Mails und auf dem Desktop ablegt, ist das DMS unvollständig und niemand vertraut ihm.
- Zu viel Handarbeit: Müssen Dokumente einzeln beschlagwortet werden, bleibt die Arbeit liegen.
Wann ein DMS allein nicht reicht
Ein DMS speichert und findet Dokumente. Es versteht sie aber in der Regel nicht. Es weiß, dass eine Rechnung von Lieferant X stammt, liest aber nicht die einzelnen Positionen aus, gleicht sie nicht mit der Bestellung ab und ordnet den Zahlungseingang nicht zu. Diese Arbeit bleibt beim Team.
Genau hier setzt intelligente Dokumentenverarbeitung an. Sie liest Inhalte aus Rechnungen, Lieferscheinen und Kontoauszügen, macht daraus strukturierte Daten und gleicht sie mit anderen Systemen ab. Das DMS bleibt das Archiv, die Verarbeitung übernimmt die Routine davor.
In der Praxis: Wie SEODACH hilft
Mit unserer intelligenten Dokumentenverarbeitung werden Belege aus Fotos und PDFs gelesen: Lieferant, Datum, Summe, Positionen. Kontoauszüge ordnen sich den Rechnungen zu, auch bei Sammelüberweisungen. Ihr Team prüft nur noch die Abweichungen, statt abzutippen. Was sich nicht zuordnen lässt, wird offen angezeigt und nicht stillschweigend übergangen.
Zwei Effekte bemerken unsere Kunden meist zuerst: Die Liste der offenen Posten stimmt wieder, weil sie gegen Bank und Belege abgeglichen wird. Und aus den ausgelesenen Positionen entsteht nebenbei ein Verzeichnis der eigenen Einkaufspreise, ohne dass jemand es pflegen muss. Ein vorhandenes DMS ersetzen wir dabei nicht, es bleibt das Archiv. Die Daten liegen auf Servern in Deutschland, und das erste Ergebnis sehen Sie nach 14 Tagen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen DMS und elektronischem Archiv?
Ein elektronisches Archiv bewahrt abgeschlossene Dokumente revisionssicher auf. Ein DMS verwaltet zusätzlich Dokumente, die noch in Bearbeitung sind, mit Versionen, Freigaben und Zusammenarbeit. Viele DMS enthalten ein Archiv als Modul.
Ist ein Netzlaufwerk oder Cloudspeicher schon ein DMS?
Nein. Ein Netzlaufwerk speichert Dateien, bietet aber keine Verschlagwortung, keine lückenlose Versionshistorie und keine unveränderbare Archivierung. Für die GoBD reicht das in der Regel nicht.
Wie lange dauert die Einführung eines DMS?
Das hängt von der Zahl der Dokumentarten und der Anbindung an andere Programme ab. Sinnvoll ist, mit einer Dokumentart zu starten, etwa Eingangsrechnungen, und danach schrittweise zu erweitern.
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