Was ist eine Verfahrensdokumentation?
Die Verfahrensdokumentation beschreibt, wie Belege im Unternehmen entstehen, verarbeitet und aufbewahrt werden. Inhalt, Aufbau und typische Lücken.
Oleksandr Grygoriev · Aktualisiert:
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Inhaltsverzeichnis
Eine Verfahrensdokumentation beschreibt schriftlich, wie steuerlich relevante Daten in einem Unternehmen entstehen, verarbeitet, gespeichert und aufbewahrt werden: vom Eingang einer Rechnung über die Buchung bis zur Archivierung. Verlangt wird sie von den GoBD, den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung in elektronischer Form. Ein sachverständiger Dritter soll mit ihr die Abläufe in angemessener Zeit nachvollziehen können.
Diesen Dritten gibt es wirklich: Es ist die Betriebsprüferin oder der Betriebsprüfer des Finanzamts. Die Verfahrensdokumentation beantwortet die Fragen, die sonst im Prüfungsgespräch gestellt würden.
Warum es die Verfahrensdokumentation gibt
Früher lag die Buchführung in Ordnern. Wer sie prüfen wollte, blätterte. Heute entstehen Belege in Rechnungsprogrammen, kommen per E-Mail, werden gescannt, automatisch ausgelesen und in Systemen gebucht, die niemand von außen kennt. Damit das Finanzamt der Buchführung trotzdem trauen kann, muss das Unternehmen beschreiben, wie seine Abläufe funktionieren und wie es sicherstellt, dass nichts verloren geht oder unbemerkt verändert wird.
Grundlage ist das BMF-Schreiben zu den GoBD, das regelmäßig angepasst wird, zuletzt mit Blick auf die E-Rechnung. Eine feste Form schreibt es nicht vor. Umfang und Tiefe richten sich nach der Komplexität des Betriebs.
Woraus eine Verfahrensdokumentation besteht
Üblich ist eine Gliederung in vier Teile:
- Allgemeine Beschreibung: Das Unternehmen, seine Organisation, die eingesetzten Systeme und wer wofür zuständig ist.
- Anwenderdokumentation: Wie die Mitarbeitenden mit den Programmen arbeiten, etwa wie eine Eingangsrechnung erfasst und freigegeben wird.
- Technische Systemdokumentation: Welche Software in welcher Version läuft, welche Schnittstellen Daten übertragen, wie Datensicherung und Zugriffsrechte geregelt sind.
- Betriebsdokumentation: Wie der ordnungsgemäße Betrieb gewährleistet wird, etwa durch Updates, Protokolle und Notfallpläne.
Dazu gehört die Beschreibung des internen Kontrollsystems: Welche Prüfungen verhindern, dass Belege doppelt gebucht, verändert oder vergessen werden? Wer einen Prozess bereits als BPMN-Diagramm oder in einer Prozesslandkarte abgebildet hat, kann diese Darstellungen direkt verwenden.
Beispiele aus dem Mittelstand
- Handwerksbetrieb mit ersetzendem Scannen: Papierbelege werden eingescannt und danach vernichtet. Die Dokumentation beschreibt, wer scannt, wie die Vollständigkeit geprüft wird und wann das Papier weg darf. Als Vorlage dient häufig die Musterverfahrensdokumentation zum ersetzenden Scannen, die Kammern und Fachverbände bereitstellen.
- Online-Händler mit Shop und Zahlungsdienstleistern: Bestellungen, Zahlungen und Erstattungen laufen durch mehrere Systeme. Beschrieben wird, wie die Daten aus Shop und Zahlungsanbieter in die Buchhaltung gelangen und wie Abweichungen auffallen.
- Dienstleister mit automatischem Belegeingang: Rechnungen werden per KI ausgelesen und mit Kontoauszügen abgeglichen. Die Dokumentation hält fest, welche Regeln automatisch buchen und welche Fälle ein Mensch freigibt.
Verfahrensdokumentation, Prozessbeschreibung und DSGVO-Verzeichnis
Eine allgemeine Prozessbeschreibung erklärt, wie ein Ablauf funktioniert. Die Verfahrensdokumentation fragt zusätzlich, wie Vollständigkeit, Richtigkeit und Unveränderbarkeit der steuerlich relevanten Daten gesichert sind. Sie ist damit enger und strenger.
Ebenfalls zu unterscheiden ist das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten nach der DSGVO. Es beschreibt den Umgang mit personenbezogenen Daten, nicht die Buchführung. Beide Dokumente greifen auf dieselben Systeme zu und lassen sich gut gemeinsam pflegen, ersetzen einander aber nicht. Eng verbunden ist die Verfahrensdokumentation dagegen mit der revisionssicheren Archivierung, deren Ablauf sie beschreibt.
Typische Lücken
- Vorlage ohne Bezug: Eine heruntergeladene Musterdokumentation, in der nur der Firmenname ausgetauscht wurde, beschreibt nicht Ihre Abläufe.
- Veralteter Stand: Neue Software, neuer Steuerberater, neuer Belegeingang. Wird die Dokumentation nicht angepasst, stimmt sie nach kurzer Zeit nicht mehr. Frühere Fassungen müssen aufbewahrt werden, solange die Unterlagen aus dieser Zeit aufzubewahren sind.
- Automatisierung ohne Beschreibung: Ein Skript, das Belege umbenennt oder bucht, ist Teil des Verfahrens. Wer es nicht dokumentiert, hat eine Lücke, die gerade bei Prüfungen auffällt.
- Nur Technik: Wer freigibt, wer kontrolliert und was bei Abwesenheit passiert, gehört genauso hinein wie die Softwareliste.
Fehlt die Verfahrensdokumentation, ist das zunächst ein formaler Mangel. Kritisch wird es, wenn Abläufe dadurch nicht mehr nachvollziehbar sind. Dann kann das Finanzamt die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung anzweifeln und im Extremfall schätzen. Ob Ihre Dokumentation ausreicht, besprechen Sie am besten mit Ihrer Steuerberatung.
In der Praxis: Dokumentation, die mit dem Ablauf entsteht
Am leichtesten zu dokumentieren ist ein Ablauf, der klar geregelt ist. Mit Dokumente und Daten richten wir Belegeingang, Bankabgleich und Buchungsregeln so ein, dass jede Entscheidung einer Regel folgt und jede Freigabe mit Name und Zeitpunkt protokolliert ist. Genau diese Regeln lassen sich in die Verfahrensdokumentation übernehmen, statt sie nachträglich zu rekonstruieren.
Die technische Dokumentation der Systeme, die wir für Sie betreiben, halten wir im Rahmen von Betrieb und Wartung laufend aktuell. Wenn ein Ablauf erst einmal sichtbar werden muss, bevor er beschrieben werden kann, hilft eine Prozessanalyse.
Häufige Fragen
Braucht auch ein kleiner Betrieb eine Verfahrensdokumentation?
Ja, die GoBD gelten für alle buchführungs- und aufzeichnungspflichtigen Unternehmen. Bei kleinen Betrieben mit einfachen Abläufen kann sie aber deutlich kürzer ausfallen.
Wer erstellt die Verfahrensdokumentation?
Verantwortlich ist das Unternehmen selbst. Inhaltlich wirken meist Buchhaltung, IT und Steuerberatung zusammen, weil jede Seite nur einen Teil des Ablaufs kennt.
Wie oft muss sie aktualisiert werden?
Immer dann, wenn sich ein beschriebener Ablauf oder ein System wesentlich ändert. Jede Änderung wird mit Datum festgehalten, damit sich für jeden Zeitraum nachvollziehen lässt, welches Verfahren galt.
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